Jovibarba: Eigene Gattung oder nur Sektion von Sempervivum?

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Die aktuelle Debatte

Die spannende Frage für jeden Hauswurz-Fan: Ist Jovibarba eine eigenständige Gattung oder nur eine Sektion innerhalb von Sempervivum? Die Antwort hängt von der Perspektive ab – Puristen schwören auf die Trennung, während moderne DNA-Analysen 2025 zur Integration tendieren. In diesem Guide erklären wir die Argumente, Unterschiede und praktischen Tipps für Gärtner, damit du die rollende Henne (Jovibarba) perfekt einordnen kannst.

Ein typischer Vergleich:

Rosetten von Sempervivum und Jovibarba  – ähnlich, aber mit feinen Unterschieden in Form und Vermehrung. 

sempervivum rosette madaira rot
Madeira (Sempervivum)
jovibarba heuffelii beata rosette samtig grün rot
Beata (Jovibarba heuffelii)

Historischer Hintergrund

Von der Aufstellung zur Kontroverse. Die Saga um Jovibarba ist wie ein guter Krimi: voller Wendungen und Experten-Streits. Alles begann im Jahr 1828, als der Schweizer Botaniker Augustin-Pyrame de Candolle Jovibarba als Sektion Jovibarba innerhalb der Gattung Sempervivum einführte. Die Unterschiede? Minimal, aber charmant: vor allem die gefransten, glockenförmigen Blüten (meist sechszählig und gelb-weiß) und die rollenden Ableger bei manchen Arten, die wie kleine Kugeln über den Boden kullern.

Dann kam der Twist: 1852 erhob der böhmische Botaniker Philipp Maximilian Opiz sie zur eigenständigen Gattung Jovibarba – abgeleitet von lat. Jovis barba, also „Jupiterbart“, wegen der zotteligen Blütenstängel. Das passte perfekt, denn die Vermehrung (diese berühmten „Rollkinder“) und der kompakte Wuchs unterschieden sich spürbar von den klassischen Sempervivum-Stolonen. Jahrzehntelang hielt sich diese Sichtweise, besonders unter Gärtnern, die die Vielfalt liebten.

Der große Knall kam in den 1990er Jahren. Forscher wie Henk ‚t Hart und Bert Bleij steckten die Nase in phytochemische und morphologische Analysen und schlussfolgerten: Zu nah dran! Jovibarba wurde wieder zur Sektion oder Subgattung von Sempervivum degradiert. Arten wie Jovibarba globifera oder J. hirtum wurden zu Unterarten umbenannt, z. B. Sempervivum globiferum subsp. hirtum (‚t Hart & Bleij). Das führte zu einem Synonymen-Chaos in Katalogen – wisst ihr, diese Momente, wo du im Gartencenter stehst und denkst: „War das jetzt Jovibarba oder Sempervivum?!“

Heute, Stand 2025, brodelt die Kontroverse weiter. Moderne DNA-Studien (aus den Jahren 2022–2024) belegen eine enge Verwandtschaft, aber subtile Unterschiede – wie die Chromosomenzahl (x=19 bei Jovibarba) oder die Blütenform – halten beide Lager am Leben.

Aktueller Konsens: Eher Sektion als Gattung

Die Frage, ob Jovibarba eine eigenständige Gattung oder lediglich eine Sektion innerhalb von Sempervivum ist, spaltet die Hauswurz-Community seit Jahrzehnten. Während viele Gärtner und Sammler weiterhin von „Jovibarba“ sprechen, hat sich die moderne botanische Forschung weitgehend auf die Eingliederung festgelegt.Hier die wichtigsten Argumente – klar und übersichtlich für alle, die Hauswurz-Arten kaufen, pflegen oder bestimmen wollen.

Argumente für Jovibarba als eigene Gattung

  • Traditionelle Einteilung in Europa (Flora Europaea, viele nationale Floren)
  • 3–6 anerkannte Arten, z. B. Jovibarba globifera, Jovibarba heuffelii, Jovibarba hirta und Unterarten
  • Klare Unterscheidungsmerkmale:
    Kugelbrut („Rollende Henne“) statt Ausläufer wie bei den meisten Sempervivum
    – 6-gliedrige, glockenförmige Blüten (Sempervivum meist 8–16-zählig und sternförmig)
    – Andere Blatt- und Rosettenstruktur
  • Wird von fast allen Gärtnereien, Züchtern und Sammlern weiterhin so vermarktet → bessere Übersichtlichkeit im Handel
  • Viele deutsche, österreichische und osteuropäische Gärtner halten an der Trennung fest – „Jovibarba“ ist emotional und kulturell verankert

Argumente für die Eingliederung als Sektion von Sempervivum

  • Aktuelle taxonomische Datenbanken (Stand 2025):
    Plants of the World Online (POWO / Kew) → Jovibarba = Synonym von Sempervivum
    World Flora Online (WFO) → gleiches Ergebnis
    IPNI, Tropicos und GBIF listen Jovibarba nur noch als akzeptierten Sektionsnamen
  • Molekulargenetische Studien seit 2015–2023 (u. a. Publikationen in Taxon und PhytoKeys) zeigen:
    – Keine klare genetische Trennlinie zwischen Jovibarba und bestimmten Sempervivum-Gruppen
    – Gemeinsame sekundäre Inhaltsstoffe (Phytochemie)
    – Natürliche Hybride (früher ×Jovivum genannt) sind voll fertil → spricht gegen Gattungsstatus
  • Henk ’t Hart & Bert Bleij (die „Hauswurz-Päpste“) plädierten bereits 1990 und 1999 für die Zusammenlegung – die Genomik hat ihnen recht gegeben
AspektAls separate Gattung (Jovibarba)Als Sektion von SempervivumSuchbegriff für Gärtner
Anzahl Arten,3–6 (z. B. J. globifera, J. heuffelii)Unterarten von S. globiferum (ca. 8 Subspp.)Jovibarba Arten kaufen
UnterschiedeFransenblüten, rollende Ableger, kompakter WuchsGering (nur Blütenmorphologie), DNA-ÄhnlichkeitSempervivum vs Jovibarba
VorteileBetont Vielfalt, praktisch für GärtnerVereinfacht Taxonomie, vermeidet SynonymeHauswurz Hybride pflegen
QuellenFlora Europaea, einige LLIFLE-Encyclopedien>POWO, WFO, ‚t Hart & Bleij (1990–1999)Jovibarba DNA-Studien
VerbreitungMittel-/Südosteuropa (Alpen, Balkan)IdentischAlpen-Hauswurz Sorten

Sempervivum & Jovibarba: Gemeinsamkeiten und feine Unterschiede im Anbau

Beide Hauswurz-Arten (Sempervivum und Jovibarba) sind robuste Sukkulenten.

Trotz der Taxonomie-Streits: Beide sind Seelenverwandte! Sie wachsen in dichten, fleischigen Rosetten, sind frosthart bis -25 °C, saugen Sonne auf wie Durstige ein Bier und blühen spektakulär. Kein Wunder, dass Anfänger sie verwechseln. Aber für Kenner sind die Nuancen Gold wert – vor allem in der Vermehrung.

 
Nehmt das Sempervivum-Kultivar ‘Moby Dick’: Röhrenförmige Rosetten, die sich über lange Ausläufer (Stolonen) vermehren. Am Ende der „Arme“ sitzen die kleinen Kindel, die du einfach abtrennst und umpflanzt. Boom – deine Sammlung explodiert!
 
Bei Jovibarba ‘Globiferum’ (dem „Roller“) wird’s magisch: Kugelige, kompakte Ableger rollen einfach ab und wurzeln neu. Perfekt für Steingärten, wo sie sich selbstständig ausbreiten wie ein natürlicher Domino-Effekt.
 
Und dann Jovibarba heuffelii: Diese wächst extrem langsam – eine Geduldsprobe, die zu langlebigen Clumps führt. Neue Ableger poppen zentral oder seitlich aus dem Mutterherzen, bilden polsterartige Hügel.
 
Vermehren? Messer in den Wurzelstock oder einfach warten: Nach 2–3 Jahren teilen sie sich unterirdisch ab und starten den Zyklus neu. Geduld zahlt sich aus – diese farbenfrohen Polster leuchten den ganzen Winter!
 
Die dichten, polsterförmigen Clumps mit fransigen Blatträndern – pure Alpenmagie.
 
Hier noch eine Tabelle zu den Kernmerkmalen:
MerkmalSempervivumJovibarba
GattungSempervivumJovibarba
Deutscher NameHauswurzFransenhauswurz,Jupiterbart,Donarsbart

Arten~40-50 Arten~2 Arten
UrsprungAlpen, Pyrenäen, BalkanAlpen, Karpaten, Balkan

Fazit: Jovibarba – Gattung oder Sektion? Dein Guide für 2025

Egal, ob Gattung oder Sektionfür den Anbau ändert’s nix!
Beide lieben Sonne, Drainage und sind Winterhelden. Vermehren? Easy mit Rollkindern oder Stolonen. Beim Kaufen: „Jovibarba“ auf dem Etikett signalisiert oft die fransige Linie. Ich tippe auf „Sektion“ als zukünftigen Standard (dank DNA), aber als Sammler bleib ich bei der separaten Bezeichnung für Klarheit. Deutsche Züchter halten oft an der Gattung fest, und wisst ihr was? In der Praxis fühlt es sich richtig an: Jovibarba verdient ihren eigenen Rampenlicht-Moment.