Mein kompletter Pflege-Guide für Sempervivum & Jovibarba

(oder: Wie ich meine 400+ kleinen Dickblatt-Monster seit Jahren am Leben halte – meistens jedenfalls)

1. Standort – Sonne bis zum Abwinken

Mindestens 6 Stunden direkte Sonne, besser den ganzen Tag. Alles andere macht lange, hässliche, blasse Triebe. Meine stehen ganzjährig draußen: Voll süd-/westseitig, ohne Dach, ohne Vorhang, ohne Gnade. Wer im Schatten bleibt, wird verschenkt oder entsorgt. Hart, aber fair.

2. Substrat – je steiniger, desto besser

50–70 % mineralisch (Bims, Lava, Zeolith, grober Sand, Granitsplitt) + maximal 30 % humusarme Kakteenerde oder einfach gar keine Erde. Staunässe = Tod Nummer 1. Das Wasser muss innerhalb von Sekunden ablaufen können.

3. Gießen – wie ein Kamel auf Diät

Sommer: Alle 7–14 Tage richtig durchgießen, danach komplett austrocknen lassen.
Winter (November–März): Vielleicht 2–3 Mal leicht angießen, wenn es wochenlang trocken und frostig ist. Regen von oben ist meist völlig okay – solange unten sofort alles rausläuft.

4. Düngen – fast nie

Ich düng gar nicht. Wegen der Hunde (Hornspäne & Co. werden sofort gefressen). Die Pflanzen holen sich alles aus abgestorbenen Blättern und Staub. Wer will, darf im Frühjahr einmal ganz schwach Kakteendünger geben (halbe Dosierung), aber wirklich sparsam.

5. Winterschutz? Nö.

Meine stehen 365 Tage im Jahr ungeschützt draußen – auch bei –18 °C und Dauerregen. Motto: „Nur die Harten kommen in den Garten“ (bzw. aufs Hundehüttendach).
In sehr nassen Regionen (z. B. Norddeutschland, Berglagen) decken viele Sammler im Winter mit Plexiglasplatten oder einem einfachen Folientunnel ab – nur gegen zu viel Regen, nicht gegen Kälte. Die meisten Sorten lachen über –20 °C, solange sie trocken bleiben.

6. Topping – die halbe Miete

Jeder Topf kriegt 1–2 cm Splitt oder Kies oben drauf. Vorteile:

  • Wurzelhals bleibt trocken → keine Faulstellen
  • Kein hochspritzender Dreck bei Regen
  • Vögel lassen die Töpfe in Ruhe
  • Unkraut und Moos haben keine Chance
  • Speichert tagsüber Wärme, gibt sie nachts ab
  • Sieht einfach hammermäßig aus

Körnung: Töpfe 3–6 mm, große Schalen/Beet 8–16 mm
Meine Lieblinge:

  • Granitsplitt (grau oder grau-rot)
  • Kalksteinsplitt (hellgrau/beige)
  • Lavasplitt rotbraun

Bitte niemals:

  • Weißen Marmor (wird grün wie Schimmel)
  • Reinen schwarzen Basalt (wird zur Bratpfanne)

7. Sonstige Lebensretter

  • Faulstelle entdeckt? Sofort rausreißen und entsorgen – ein Tag zu spät und die ganze Gruppe ist matschtig.
  • Umtopfen am besten im Frühjahr oder Spätsommer.
  • Ableger einfach abziehen und neu setzen – die wachsen quasi von allein an.

Mein Fazit nach etlichen Jahren Sucht

Behandle sie wie Kakteen auf Steroiden: Vollsonne, knochentrocken, fast nicht düngen, im Winter ignorieren und mit Splitt krönen.
Dann hast du jahrzehntelang Freude, und die schwachen Sorten sortieren sich von selbst aus. Darwin war eben auch Gärtner.

Wer diese Regeln befolgt, kann eigentlich kaum etwas falsch machen.
Und wer trotzdem welche killt – herzlich willkommen im Club. Wir haben alle schon ganze Regimenter auf dem Gewissen. 🌵💀❤️