
Die aktuelle Debatte
Ein typischer Vergleich:
Rosetten von Sempervivum und Jovibarba – ähnlich, aber mit feinen Unterschieden in Form und Vermehrung.
Historischer Hintergrund
Von der Aufstellung zur Kontroverse. Die Saga um Jovibarba ist wie ein guter Krimi: voller Wendungen und Experten-Streits. Alles begann im Jahr 1828, als der Schweizer Botaniker Augustin-Pyrame de Candolle Jovibarba als Sektion Jovibarba innerhalb der Gattung Sempervivum einführte. Die Unterschiede? Minimal, aber charmant: vor allem die gefransten, glockenförmigen Blüten (meist sechszählig und gelb-weiß) und die rollenden Ableger bei manchen Arten, die wie kleine Kugeln über den Boden kullern.
Dann kam der Twist: 1852 erhob der böhmische Botaniker Philipp Maximilian Opiz sie zur eigenständigen Gattung Jovibarba – abgeleitet von lat. Jovis barba, also „Jupiterbart“, wegen der zotteligen Blütenstängel. Das passte perfekt, denn die Vermehrung (diese berühmten „Rollkinder“) und der kompakte Wuchs unterschieden sich spürbar von den klassischen Sempervivum-Stolonen. Jahrzehntelang hielt sich diese Sichtweise, besonders unter Gärtnern, die die Vielfalt liebten.
Der große Knall kam in den 1990er Jahren. Forscher wie Henk ‚t Hart und Bert Bleij steckten die Nase in phytochemische und morphologische Analysen und schlussfolgerten: Zu nah dran! Jovibarba wurde wieder zur Sektion oder Subgattung von Sempervivum degradiert. Arten wie Jovibarba globifera oder J. hirtum wurden zu Unterarten umbenannt, z. B. Sempervivum globiferum subsp. hirtum (‚t Hart & Bleij). Das führte zu einem Synonymen-Chaos in Katalogen – wisst ihr, diese Momente, wo du im Gartencenter stehst und denkst: „War das jetzt Jovibarba oder Sempervivum?!“
Heute, Stand 2025, brodelt die Kontroverse weiter. Moderne DNA-Studien (aus den Jahren 2022–2024) belegen eine enge Verwandtschaft, aber subtile Unterschiede – wie die Chromosomenzahl (x=19 bei Jovibarba) oder die Blütenform – halten beide Lager am Leben.
Aktueller Konsens: Eher Sektion als Gattung
Die Frage, ob Jovibarba eine eigenständige Gattung oder lediglich eine Sektion innerhalb von Sempervivum ist, spaltet die Hauswurz-Community seit Jahrzehnten. Während viele Gärtner und Sammler weiterhin von „Jovibarba“ sprechen, hat sich die moderne botanische Forschung weitgehend auf die Eingliederung festgelegt.Hier die wichtigsten Argumente – klar und übersichtlich für alle, die Hauswurz-Arten kaufen, pflegen oder bestimmen wollen.
Argumente für Jovibarba als eigene Gattung
- Traditionelle Einteilung in Europa (Flora Europaea, viele nationale Floren)
- 3–6 anerkannte Arten, z. B. Jovibarba globifera, Jovibarba heuffelii, Jovibarba hirta und Unterarten
- Klare Unterscheidungsmerkmale:
– Kugelbrut („Rollende Henne“) statt Ausläufer wie bei den meisten Sempervivum
– 6-gliedrige, glockenförmige Blüten (Sempervivum meist 8–16-zählig und sternförmig)
– Andere Blatt- und Rosettenstruktur - Wird von fast allen Gärtnereien, Züchtern und Sammlern weiterhin so vermarktet → bessere Übersichtlichkeit im Handel
- Viele deutsche, österreichische und osteuropäische Gärtner halten an der Trennung fest – „Jovibarba“ ist emotional und kulturell verankert
Argumente für die Eingliederung als Sektion von Sempervivum
- Aktuelle taxonomische Datenbanken (Stand 2025):
– Plants of the World Online (POWO / Kew) → Jovibarba = Synonym von Sempervivum
– World Flora Online (WFO) → gleiches Ergebnis
– IPNI, Tropicos und GBIF listen Jovibarba nur noch als akzeptierten Sektionsnamen - Molekulargenetische Studien seit 2015–2023 (u. a. Publikationen in Taxon und PhytoKeys) zeigen:
– Keine klare genetische Trennlinie zwischen Jovibarba und bestimmten Sempervivum-Gruppen
– Gemeinsame sekundäre Inhaltsstoffe (Phytochemie)
– Natürliche Hybride (früher ×Jovivum genannt) sind voll fertil → spricht gegen Gattungsstatus - Henk ’t Hart & Bert Bleij (die „Hauswurz-Päpste“) plädierten bereits 1990 und 1999 für die Zusammenlegung – die Genomik hat ihnen recht gegeben
| Aspekt | Als separate Gattung (Jovibarba) | Als Sektion von Sempervivum | Suchbegriff für Gärtner |
|---|---|---|---|
| Anzahl | Arten,3–6 (z. B. J. globifera, J. heuffelii) | Unterarten von S. globiferum (ca. 8 Subspp.) | Jovibarba Arten kaufen |
| Unterschiede | Fransenblüten, rollende Ableger, kompakter Wuchs | Gering (nur Blütenmorphologie), DNA-Ähnlichkeit | Sempervivum vs Jovibarba |
| Vorteile | Betont Vielfalt, praktisch für Gärtner | Vereinfacht Taxonomie, vermeidet Synonyme | Hauswurz Hybride pflegen |
| Quellen | Flora Europaea, einige LLIFLE-Encyclopedien | >POWO, WFO, ‚t Hart & Bleij (1990–1999) | Jovibarba DNA-Studien |
| Verbreitung | Mittel-/Südosteuropa (Alpen, Balkan) | Identisch | Alpen-Hauswurz Sorten |
Sempervivum & Jovibarba: Gemeinsamkeiten und feine Unterschiede im Anbau
Trotz der Taxonomie-Streits: Beide sind Seelenverwandte! Sie wachsen in dichten, fleischigen Rosetten, sind frosthart bis -25 °C, saugen Sonne auf wie Durstige ein Bier und blühen spektakulär. Kein Wunder, dass Anfänger sie verwechseln. Aber für Kenner sind die Nuancen Gold wert – vor allem in der Vermehrung.
| Merkmal | Sempervivum | Jovibarba |
|---|---|---|
| Gattung | Sempervivum | Jovibarba |
| Deutscher Name | Hauswurz | Fransenhauswurz,Jupiterbart,Donarsbart |
| Arten | ~40-50 Arten | ~2 Arten |
| Ursprung | Alpen, Pyrenäen, Balkan | Alpen, Karpaten, Balkan |
