Teil 2: Jovibarba globiferum – Die „Roller“ der Familie

Hallo und willkommen zurück auf Sempervivum World! Nach dem Überblick in Teil 1: Die drei Klassiker der Jovibarba-Familie, tauchen wir in den zweiten Teil ein: Jovibarba globiferum, die „Roller“ – meine Lieblinge für dynamische, aber ordentliche Polster.Jovibarba globiferum (Synonym: Sempervivum globiferum, auch bekannt als Fransenhauswurz), eine besonders eigenwillige und robuste Art innerhalb der Sektion Jovibarba der Hauswurzen (Sempervivum).

Diese süße, kompakte Sukkulente bringt mit ihren fleischigen Blättern und rollenden Ablegern einen einzigartigen Charme in Gärten – und ist obendrein pflegeleicht, egal ob im Freiland, Steingarten oder Kübel.

Kultivierte Rosetten globiferum ssp. arenarium from Croce Carnico

Jovibarba globiferum ist eine alpine Sukkulente aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae), die wie eine Verwandte der klassischen Hauswurz (Sempervivum) wirkt: Beide bilden dichte Rosetten aus fleischigen, oft rötlich gefärbten Blättern und teilen dieselbe Familie sowie Vorlieben für sonnige, trockene Standorte. Dennoch wird sie oft als eigenständige Gattung Jovibarba geführt – ein Unterschied, der über bloße DNA-Klassifikation hinausgeht und sich in Blüte und Vermehrung zeigt.

Die Pflanze erreicht in der Blüte 8–35 cm Höhe, mit Rosetten von 0,5–7 cm Durchmesser, die grünlich bis bleich-gelbgrün sind und rotbraune Spitzen haben; Blätter können flaumig behaart sein. Diese Pflanze ist eine der klassischen „Roller“-Arten: Ihre Jungpflanzen lösen sich brüchig von der Mutter und rollen davon, um neue Kolonien zu gründen. Sie ist winterhart und übersteht Temperaturen bis –25 °C

Verbreitung: Mittelgebirge nördlich und östlich der Alpen, Südwest- und Ostalpen, Osteuropa; mehrere Unterarten mit regionalen Vorkommen.

Die Unterschiede zu Sempervivum im Überblick

Obwohl J. globiferum und Sempervivum-Arten (wie der klassischen Hauswurz) täuschend ähnlich aussehen und austauschbar an vielen Standorten wachsen, unterscheiden sie sich markant in Schlüsselmerkmalen. Sie gehört zur Sektion Jovibarba, die manchmal als eigene Gattung gilt, und bildet kugelrunde Tochterrosetten an kurzen Stolonen (im Gegensatz zu zentralen Ablegern bei typischen Sempervivum).

Hier ein klarer Vergleich

Aspekt Sempervivum (Hauswurz)Jovibarba globiferum
BlütenformSternförmig, offen, in Rosa-, Pink,-Weiß- oder
Gelbtönen
Röhrig-glockenförmig,geschlossen,meist weißlich-gelb mit 6–12 Petalen, gefranst und gekielt (5–7 Blätter)
VermehrungAbleger an langen,ausläuferartigen Stängeln (Stolonen)Ableger an kurzen,fadenförmigen Stolonen oder direkt in der Rosette; Jungpflanzen rollen sich ab und „wandern“ weg
Blattmerkmalevariabel mal glatt mal behaartOft mit feinen Franzen an den Blattseiten,spitz zulaufend,rotbraune Spitzen,teils behaart
Spitzname„Roller“ oder Fransenhauswurz
WachstumKompakte Rosetten,Mutter stirbt nach Blüte (Monokarp)Ähnlich, aber mit vielen eingebetteten „Rollern“;Reife bis Blüte: 2–3 Jahre; Habitat: Felsgrus,kalkreiche oder saure Substrate

Die Vermehrung ist das Highlight: Bei J. globiferum werden die Stängel zu den „Küken“ (Ablegern) mit der Zeit trocken und brüchig, sodass sie sich leicht lösen, wegwehen oder rollen – ideal für natürliche Ausbreitung in alpinen Regionen.

Nach der Blüte stirbt die Mutterrosette ab, hat aber zuvor Dutzende Nachkommen produziert.

Ökologie: Wächst in Felsgrus- und Pioniergesellschaften auf kalkreichen oder sauren Felsflächen.

Pflegeleicht und robust: So pflegst du Jovibarba globiferum

Die Pflege von J. globiferum ist unkompliziert und ähnelt der von Sempervivum:

Wenig Aufwand, hohe Anpassungsfähigkeit. Perfekt für Steingärten, Terrassen, Mauern, Dächern oder gut drainierte Töpfe – traditionell als Grabschmuck oder in Gärten kultiviert, teils verwildert.

Wichtige Tipps auf einen Blick:

  • Standort: Vollsonne, trockene, Ideal für Steinmauer und Pionierhabitate.
  • Boden: Gut drainierend – ideal eine Mischung aus Kompost mit Sand oder Vermiculit; sie wächst sogar in feinem Kies oder kargen Böden, angepasst an kalkreiche oder saure Substrate.
  • Gießen: Nach dem Anwachsen trockenheitsresistent; im Sommer 2–3 Mal monatlich ergänzen für optimales Wachstum.
  • Düngen: Selten nötig; im Frühling etwas Knochenmehl fördert die Vitalität.
  • Winterhartheit: Extrem robust, überwintert unter Schnee und verträgt Frost bis –30 °C.
  • Nachsorge: Abgeblühte Rosetten (inkl. Blütenstiel) einfach herausziehen und durch „Küken“ ersetzen oder mit Erde auffüllen. Die Pflanze erholt sich prächtig unter „wohlwollender Vernachlässigung“.

Mit Jovibarba globiferum holt man sich eine echte Gartenschönheit – robust, charmant und voller Überraschungen durch ihre rollenden Abenteuer. Ideal für Anfänger und Liebhaber alpiner Sukkulenten!