Teil 4: Jovibarba × nixonii – Der kompakte Star der Familie
Hallo und willkommen zurück auf Sempervivum World!
Mit Teil 4 unserer Jovibarba-Serie feiern wir das grandiosen Finale: Nach dem Überblick in Teil 1 (die faszinierende Familie im Ganzen), den verspielten „Rollern“ von Globiferum in Teil 2 (mit ihren abrollenden Küken) und meinen absoluten Favoriten Heuffelii in Teil 3 (die wachsige Alleskönnerin mit ganzjähriger Farbpracht), tauchen wir nun in die Welt der Hybride Jovibarba × nixonii ein.
Diese Kreuzung ist der magische Mix aus „Roller“-Dynamik und Heuffelii-Ornamentik – kompakt, farbenfroh und robust, ohne das Chaos langer Stolonen. Als Gärtnerin, die Ordnung über Wildwuchs stellt, liebe ich × nixonii für ihre dichten Matten und leichte Vermehrung. Und spannend: Je nach Kreuzungsrichtung (ob Heuffelii die Mutter ist oder der Pollen vom Roller kommt) variieren die Nachkommen subtil – mehr Kompaktheit bei Heuffelii als Mutter, stärker rollende Ableger umgekehrt. Lasst uns in Geschichte, Merkmale und Tipps eintauchen – und die Serie mit alpiner Eleganz abschließen!
Die Entstehung: Eine Züchtungsgeschichte voller Pioniergeist
Jovibarba × nixonii (früher oft als Sempervivum × nixonii geführt) ist ein Highlight der Sukkulenten-Kreuzungen und entsteht primär aus J. heuffelii (der robusten Karpaten-Schönheit mit wachsigen Blättern) und J. globiferum (dem fransigen Roller mit rollenden Ablegern). Oft fließt auch J. sobolifera ein, für extra Vielfalt in Form und Salztoleranz – besonders in europäischen Züchtungen. Das Ergebnis: Kompakte Rosetten (3–6 cm Durchmesser, 5–10 cm hoch), die dichte Polster bilden, gelb-grüne Glockenblüten im Sommer (Juni–August) tragen und winterhart bis -25 °C) sind. Trockenheitsresistent und sonnenliebend, eignen sie sich ideal für Steingärten, Trockenmauern oder Mini-Kübel – eine Power-Hybride, die Robustheit mit Charme verbindet.
Die Geschichte ist geprägt von Visionären: Sie ehrt Dr. C. W. Nixon (USA), der in den 1970er/80er Jahren mit Massenpflanzungen und Bienenbestäubung experimentierte und Hybride wie ‚Fandango‘ (1972, aus J. heuffelii-Linien) schuf. Seine Arbeit floss in × nixonii ein und popularisierte solche Mixe. Edward „Crazy Ed“ Skrocki (1930–2010, Ohio/USA) steigerte das mit TV-Auftritten und Saatgärten: 1982 züchtete er Pionierkreuzungen wie HH3, HH4 und HH10, die die Härte der Eltern betonten und Basis für Varianten wurden.
In Europa übernahm Ben J.M. Zonneveld (NL, *1940, Botaniker in Leiden) ab 1983: Er kreuzte intensiv und schuf Klassiker wie ‚Arjan‘ (1983: J. sobolifera ‚NVD‘ × J. heuffelii ‚Bronze Ingot‘), ‚Jowan‘ (1983: J. sobolifera × J. heuffelii ‚Bronze Ingot‘) und ‚Stefan‘ (1983: J. globifera subsp. globifera × J. heuffelii ‚Bronze Ingot‘). Weitere: ‚Libra‘ (1997, J. heuffelii) und ‚Brandaris‘ (1986, J. heuffelii). Cornelis Versteeg (NL), Spezialist für × nixonii, steuerte über 185 Taxa bei – darunter ‚Flovo‘ (2007: olivgrün mit roten Spitzen) und ‚Sandy‘ (1985). Seine ‚Perle d’Amour‘ (2006, reine Sempervivum) zeigt seinen Sinn für perlmuttartige Rottöne. Diese Pioniere haben × nixonii zu einem Kultivar-Schatz gemacht – danke für den Erbe!
Merkmale und Unterschiede zu den Elternarten
J. × nixonii verbindet das Beste: Rollende Küken von Globiferum (Teil 2) mit der wachsigen Ornamentik von Heuffelii (Teil 3). Fleischige, oft fransige Blätter verfärben sich herbstlich rot-violett, Blüten sind gelb-grün und glockenförmig (nicht sternförmig wie Sempervivum). Vermehrung: Schnell via eingebettete oder rollende Ableger; monokarp (Mutterrosette opfert sich nach 2–3 Blütenjahren), aber familientreu mit Dutzenden Nachkommen. Der Kreuzungsrichtung-Effekt zeigt sich subtil: Bei Heuffelii als Mutter mehr Farbstabilität, bei Roller als Mutter dynamischere Vermehrung.
Ein Vergleich zur Hybrid-Magie:
| Merkmal | Jovibarba globiferum (Teil 2) | Jovibarba heuffelii (Teil 3) | J. × nixonii (Hybride) |
|---|---|---|---|
| Rosettengröße | 3–5 cm, fransig, grün-rötlich | Bis 12 cm, flach & ordentlich | 3–6 cm, hybridfarbig (grün-rot) |
| Blüten | Röhrig-glockenförmig,geschlossen,meist weißlich-gelb mit 6–12 Petalen, gefranst und gekielt (5–7 Blätter) | Glockenförmig, dezent (Gelb,seltener Weiß, Juni–Aug.) | Gelb-grün, kompakt-glockenförmig |
| Vermehrung | Ableger an kurzen,fadenförmigen Stolonen oder direkt in der Rosette; Jungpflanzen rollen sich ab und „wandern“ weg | Interne Rosetten-Teilung | Mischform: eingebettet |
| Färbung | Oft mit feinen Franzen an den Blattseiten,spitz zulaufend,rotbraune Spitzen,teils behaart | Grün-bläulich, wachsbedeckt, robust | je nach Sorte ,Intensiv rot im Winter, olivgrün im Sommer |
Bekannte Kultivare im Überblick
Die × nixonii-Vielfalt ist beeindruckend – hier Highlights, oft mit dokumentierter Kreuzungsrichtung:
- ‚Sandy‘ (Ben J.M. Zonneveld, 1985): Grau-sandig mit roten Spitzen – kompakt, Heuffelii-Mutter-Einfluss dominant.
- ‚Feuerrad‘ (Züchter unbekannt, NL/USA): Feurig rot-grün, ein Sommer-Feuerwerk – roller-stark für dynamische Matten.
- ‚Flovo‘ (Cornelis Versteeg, 2007): Olivgrün mit roten Spitzen – robust und elegant, sobolifera-Einfluss für Salztoleranz.
- ‚Jowan‘ (Zonneveld, 1983): Bronzeige Nuancen aus ‚Bronze Ingot‘-Linie – Heuffelii × sobolifera, farbstabil.
- ‚Arjan‘ (Zonneveld, 1983): Aus ‚NVD‘ × ‚Bronze Ingot‘, intensiv farbig – perfekt für Experimentierer.
Pflege: Einfach wie bei allen Jovibarba – „wohlwollend vernachlässigbar“
Wie ihre Eltern aus Teil 2 (Globiferum) und Teil 3 (Heuffelii) ist × nixonii unkompliziert – ideal für Busy-Gärtner:
- Standort: Vollsonne, trockene, windgeschützte Spots (Steingarten oder Mauerfuge).
- Boden: Dränierend – Kompost + Sand/Vermiculit; Kies-Mulch verhindert Feuchtigkeit.
- Gießen: Trockenheitsheldin; Sommer: 2–3x monatlich, Erde immer austrocknen lassen.
- Düngen: Minimal; Frühling: Leichtes Knochenmehl oder Kakteendünger.
- Winter: überwintert easy unter Schnee.
- Nachsorge: Abgeblühte Rosetten ziehen – Küken übernehmen automatisch. Tipp: Handpollen für eigene Hybride – probiert reciproke Kreuzungen!
Fazit: Die Jovibarba-Familie – Ein alpines Abenteuer perfekt abgerundet
Mit Jovibarba × nixonii schließen wir die Serie: Vom Überblick (Teil 1) über die rollenden Globiferum (Teil 2) und meine Heuffelii-Lieblinge (Teil 3) bis zu dieser hybriden Perle – Jovibarba zeigt, wie Kleinigkeiten Gärten verzaubern. Probiert ‚Jowan‘ für Zonnevelds Magie oder ‚Sandy‘ für sanfte Robustheit – und ehrt Pioniere wie Skrocki, Nixon und Versteeg.
Danke fürs Mitlesen! Bis zum nächsten Sukkulenten-Highlight (vielleicht Sobolifera-Details?), eure Sempervivum-World-Chefin.

