
Tot oder nur im Winterschlaf?
Viele Succulenten-Fans erleben jedes Jahr dasselbe Drama:
Im Herbst verfärben sich die schönen Orostachys-Rosetten plötzlich braun, schrumpfen zusammen, die Blätter werden papierartig dünn und trocken – und spätestens im Dezember sieht die Pflanze aus, als wäre sie mausetot. Die meisten greifen dann zur Schere oder werfen den Topf gleich ganz weg.
Großer Fehler! Das ist nämlich kein Sterben, sondern das ganz normale „Winterkleid“ der Orostachys.
Großer Fehler! Das ist nämlich kein Sterben, sondern das ganz normale „Winterkleid“ der Orostachys.
Was passiert wirklich?
Die meisten Orostachys-Arten (z. B. Orostachys japonicus, O. malacophylla, O. spinosa, O. chanetii oder der beliebte „Iwarenge“-Klon) sind in den kühlen Bergregionen Ostasiens heimisch. Dort müssen sie Frostperioden überstehen.
Im Herbst beginnt bei Orostachys ein faszinierender Prozess: Die prächtigen Sommerrosetten ziehen sich gezielt zurück. Die äußeren Blätter vertrocknen nach und nach, werden papierartig dünn und braun – sie sterben kontrolliert ab. Was auf den ersten Blick wie das Ende der Pflanze aussieht, ist in Wahrheit ein cleverer Überlebensmechanismus.
Die Basis der Rosette bleibt jedoch erhalten. Dort, oft versteckt zwischen den Resten der alten Blätter, bildet die Pflanze winzige Überwinterungsknospen – manche kaum größer als 2–5 mm und mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Diese kleinen Knospen sind echte Frostkünstler: Sie halten Temperaturen von -20 °C und tiefer problemlos aus. Die trockenen, braunen Blätter, die viele als „tot“ empfinden, haben dabei eine wichtige Aufgabe: Sie wirken wie eine natürliche Isolierschicht und schützen die empfindlichen Knospen zusätzlich vor Kälte, Wind und Austrocknung.
So überwintert Orostachys – nicht als grüne Rosette, sondern als unscheinbares, aber hoch effizientes „Winterpaket“. Im Frühling schlüpfen aus genau diesen kleinen Knospen dann wieder frische, lebendige Pflanzen. Ein echter Beweis, wie genial die Natur manchmal „Abschied“ und Neubeginn verbindet! 

Deshalb sieht die Pflanze im Winter aus wie ein Haufen vertrocknetes Laub – aber unter diesem unscheinbaren Schutz schlummert schon der nächste Frühling!
Frühling: Die Auferstehung
Sobald die Tage länger und die Temperaturen wieder über 10 °C klettern (meist ab März/April), passiert das kleine Wunder: Aus den unscheinbaren Knospen schieben sich plötzlich neue, frisch-grüne Rosetten – oft innerhalb weniger Wochen. Manche Arten bilden dabei auch zahlreiche Tochterpflanzen und wachsen zu dichten Polstern heran.
Was du im Winter unbedingt beachten solltest
- Nicht gießen!
- Die braunen Blätter nicht entfernen – sie schützen die Knospen!
- Erst ab April/Mai langsam wieder ans Gießen gewöhnen, wenn du die ersten grünen-grauen Spitzen siehst.
Mein Tipp aus Erfahrung
Wer einmal eine „tote“ Orostachys im Frühjahr wieder explodieren sieht, wird diese Pflanzen lieben. Sie sind nicht nur extrem robust, sondern auch eine der wenigen Succulenten, die echten Winter draußen überstehen – und dabei noch diese faszinierende Metamorphose zeigen.Also: Wenn deine Orostachys gerade wieder aussieht wie auf dem unteren Foto – einfach Geduld haben und im Frühling staunen.
Sie kommt zurück. Versprochen!



Sie kommt zurück. Versprochen!
