Weiße Sempervivum-Ableger-Warum überleben sie nicht allein?

Ursachen &Tipps

Warum sie so wunderschön sind … und trotzdem fast immer sterben müssen
Du hast einen weißen, komplett chlorophyllfreien Ableger entdeckt? Herzlichen Glückwunsch – du hältst gerade ein kleines botanisches Kunstwerk in der Hand! Leider ist es auch ein Todesurteil auf Zeit. Hier erkläre ich dir ganz genau, warum das so ist und wie du trotzdem das Beste daraus machst.
„Weißer Albino-Ableger bei Sempervivum – Schön, aber zerbrechlich“

Der wissenschaftliche Grund: Kein Chlorophyll = keine Photosynthese

Normaler AblegerWeißer Albino-Ableger
Hat Chlorophyll → macht selbst Zucker aus LichtKein oder fast kein Chlorophyll → kann nichts selbst produzieren
Unabhängig überlebensfähigVollkommen abhängig von der Mutterrosette
Kurz gesagt: Der weiße Ableger ist ein Parasit. Er saugt Zucker und Nährstoffe über den Stolo oder die gemeinsame Wurzel von der grünen Mutter ab. Sobald du ihn trennst, ist die Leitung gekappt → er verhungert innerhalb von 1–4 Wochen.

Wie entstehen diese weißen Schönheiten überhaupt?

Weiße Ableger sind fast immer somatische Mutationen (nur in Körperzellen). Häufige Auslöser:
  • Starke UV-Strahlung
  • Frost- oder Hitzeschocks
  • Alter der Mutterpflanze
  • Bereits panaschierte Sorten (z. B. ‚Citrus Sunrise‘, ‚Saxon‘, ‚Gold Nugget‘)
Häufigkeit: ca. 1 weißer Ableger auf 5.000–10.000 normale – also wirklich selten und besonders!

Was kannst du jetzt tun? – Praktische Tipps

OptionWas du machstErfolgs-ChanceMein Tipp
An der Mutter lassenEinfach dranlassen!100 % (solange die Mutter lebt)Die schönste & einfachste Lösung – als Deko genial
Als Foto-Modell nutzenAbtrennen → schöne Nahaufnahmen machen → genießen100 % ästhetischPerfekt für Instagram & deine Sammlungs-Doku
Pfropfen (Reise nach Absurdistan)Sauber abschneiden & auf grüne Unterlage pfropfen10–40 %Funktioniert manchmal bei Kakteen, bei Sempervivum sehr schwer
Mini-Terrarium als LebensverlängerungIn geschlossenes Glas mit etwas feuchter Erde+1–2 WochenNur für Fotos, danach stirbt er trotzdem
Goldene Regel: Trenne ihn nie, wenn du ihn wirklich behalten willst. Die Mutter ist sein einziger Lebensretter.
Pflege-Tipps, solange er noch dran hängt
  • Halbschatten (direkte Sonne verbrennt ihn schneller)
  • Sehr sparsam gießen – die Mutter versorgt ihn ohnehin
  • Kein Dünger nötig
  • Perfekte Drainage (wie immer bei Sempervivum)
Fazit der gesamten Genetik-Serie
 
Von der ersten ‚Moby Dick‘-Aussaat über genetische Instabilität, somatische Mutationen und springende Gene (Transposons) bis hin zu diesen weißen Albino-Ablegern zeigt sich eines ganz klar:
 
Sempervivum sind keine statischen Pflanzen – sie sind lebendige genetische Experimente.
 
Jede Rosette kann morgen anders aussehen. Genau das macht sie so faszinierend und einzigartig.
Beobachte, fotografiere, selektiere – und genieße die Überraschungen!
 
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Beitrag von Yvonne • Sempervivum-Sammlerin & Experimentatorin
Dokumentiert am 27. November 2025
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