Ohrenschmerzen? Hauswurz-Saft als altes Hausmittel

Wer kennt sie nicht – die unscheinbare, aber extrem robuste Hauswurz (Sempervivum tectorum)? Die dickfleischigen Rosetten wachsen auf Dächern, in Mauern und Steingärten und wurden früher „Donnerbart“ oder „Dachwurz“ genannt. Neben ihrer dekorativen Wirkung hat die Pflanze in der Volksmedizin eine lange Tradition – besonders bei Ohrenschmerzen.

Ein klassisches Hausmittel aus Großmutters Zeiten

In vielen Regionen Europas, vor allem auf dem Balkan und in den Alpenländern, galt der frisch ausgepresste Saft der Hauswurz-Blätter als bewährtes Mittel bei leichten Ohrenschmerzen und äußeren Entzündungen. Die Anwendung war einfach: Ein paar frische Blätter ausdrücken und 2–3 Tropfen des Saftes vorsichtig ins betroffene Ohr träufeln. Manchmal wurde das Ohr danach mit einem Wattebausch verschlossen, damit der Saft nicht sofort herausläuft.
 
Die kühlende, leicht adstringierende und entzündungshemmende Wirkung der Pflanze soll den Schmerz lindern.

Was sagt die Wissenschaft?

Eine Studie aus Südserbien (2015) untersuchte die ethnopharmakologische Nutzung der Hauswurz und testete den Blatt-Saft gegen Bakterien, die häufig bei Ohrenentzündungen vorkommen. Der Saft zeigte antimikrobielle Aktivität und enthielt vor allem Flavonol-Glykoside sowie Apfelsäure. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der volksmedizinische Einsatz gegen Ohrenschmerzen wissenschaftlich gerechtfertigt erscheint.

Wichtige Hinweise zur Anwendung

Falls du den Saft ausprobieren möchtest:
  • Nur frische, saubere Blätter verwenden
  • Den Saft frisch ausdrücken
  • Nur bei intaktem Trommelfell anwenden
  • Nie bei eitrigen Entzündungen, starken Schmerzen oder bei Kindern ohne Rücksprache mit einem Arzt verwenden
Wichtiger Hinweis:
Hauswurz-Saft ist ein traditionelles Hausmittel und kein medizinisches Arzneimittel. Bei anhaltenden, starken oder wiederkehrenden Ohrenschmerzen, Fieber, Hörverlust oder Ausfluss aus dem Ohr solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Fazit

Die Hauswurz ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie altes Wissen und moderne Forschung manchmal zusammenfinden. Als unkomplizierte, winterharte Pflanze im Garten oder auf dem Balkon ist sie ohnehin eine Bereicherung.
 
Übrigens: Die kühlende und hautberuhigende Wirkung der Hauswurz macht sie auch zu einem hervorragenden Mittel bei Sonnenbrand und leichten Verbrennungen. Mehr dazu findest du hier:
Hauswurz gegen Sonnenbrand & Verbrennungen