
Nach dem Hagel: Wenn Sempervivum und Jovibarba getroffen werden
Einmal erwischt es wohl jeden Sammler: Der Sommerhagel schlägt richtig zu. Dieses Jahr war ich dran.
Nach Jahren, in denen Frost, Nässe und sogar extreme Trockenheit meiner Sempervivum- und Jovibarba-Sammlung kaum etwas anhaben konnten, kam der Hagel. Nicht der übliche kleine Sommerhagel, sondern große Körner – und das bei extremem Wind. Innerhalb weniger Minuten sahen viele meiner schönsten Rosetten aus, als hätte jemand mit einem Hammer darauf eingeschlagen. Blätter waren abgeschlagen, gequetscht, zerfetzt.
Trotzdem zeigt sich das wahre Ausmaß oft erst ein, zwei Tage später. Was zuerst nur wie Dellen und abgeknickte Spitzen wirkt, wird dann zu braunen Narben, glasigen Stellen und teils weichen, verletzten Blättern. Genau dann wird aus dem Schreck ein richtiges Schadensbild.
So sieht der Schaden aus
Die fleischigen Blätter von Sempervivum und Jovibarba sind eigentlich ihre Stärke: Sie speichern Wasser und machen die Pflanzen extrem widerstandsfähig. Genau das wird beim Hagel zum Problem.
Besonders großrosettige Sorten leiden stark. Die äußeren Blätter sind oft komplett zerstört, während das Herz der Rosette manchmal noch fest und grün bleibt. Bei Jovibarba heuffelii, die ihre Kindel innen in der Rosette bildet, wirkt der Schaden besonders tückisch: Die jungen Pflanzen sitzen geschützt, die Mutterrosette aber fängt den Hagel voll ab. Die „Roller“ von Jovibarba globifera haben oft mehr Glück. Viele Kindel lösen sich rechtzeitig und überleben unbeschadet. Drei Tage später sieht es oft noch schlimmer aus. Genau dann erkennt man erst, wie tief der Hagel wirklich getroffen hat.
Was tun direkt nach dem Hagel?
Nicht in Panik geraten – und vor allem nichts komplett rausreißen. Die Pflanzen sind nach dem Unwetter sowieso geschwächt. Das ist der wichtigste Rat: Sempervivum und Jovibarba sind zäher, als sie in dem Moment aussehen.
- Stark beschädigte, weiche oder bereits faulende Blätter vorsichtig entfernen, damit sich Fäulnis nicht ausbreitet. Braune Narben allein sind kein Grund, das Blatt abzuziehen.
- Die Pflanzen an einem luftigen, sonnigen Platz lassen. Schatten oder eine Abdeckung direkt nach dem Hagel staut oft nur Feuchtigkeit.
- Nicht extra gießen. Die verletzten Blätter brauchen Zeit zum Abtrocknen.
- Kindel, die noch fest sitzen, erst einmal in Ruhe lassen. Viele entwickeln sich trotzdem weiter.
Wenn es danach noch längere Zeit nass bleibt, ist Fäulnis die größte Gefahr – nicht der Hagel selbst.
Wie lange bleibt der Schaden sichtbar?
Die Narben sitzen auf den bereits vorhandenen Blättern. Sie verschwinden erst, wenn diese äußeren Blätter natürlicherweise absterben – oft erst im Herbst oder Winter. Neue Blätter aus der Mitte sind in der Regel unbeschädigt. Deshalb sieht eine getroffene Rosette monatelang gezeichnet aus, auch wenn die Pflanze längst wieder wächst.
Beispielhafte Zeitreihe von Pink Rockhuhn:
- Tag 1–7: Dellen, Wasserflecken, abgeschlagene Spitzen. Sieht schlimmer aus, als es oft ist.
- Nach 3–4 Wochen: Narben trocknen ein und werden braun. Das Herz beginnt neue Blätter zu schieben.
- Nach 2–3 Monaten: Neue innere Blätter verdecken schon einen Teil der Schäden.
- Bis Herbst/Winter: Die getroffenen äußeren Blätter sterben ab. Dann ist von den alten Hagelnarben oft nichts mehr zu sehen – vorausgesetzt, es kommt keine Fäulnis dazu.
Pink Rockhuhn als Sempervivum zeigt den Verlauf innerhalb eines Sommers ziemlich gut.
Bei Jovibarba würde dieselbe Narbengeschichte viel länger dauern. Da ist es anders, sie wachsen viel langsamer – besonders Jovibarba heuffelii. Dafür sitzen die Kindel oft geschützt in oder dicht an der Mutterrosette. Der Hagel trifft also vor allem das Alte, während der Nachwuchs häufiger heil bleibt. Sichtbar „sauber“ wird eine getroffene Jovi trotzdem erst spät. Manchmal erst in der nächsten Saison.
Warum gerade dieses Jahr so hart war
Hagel mit größeren Körnern scheint zuzunehmen. Die Narben bleiben lange sichtbar, und großrosettige Kultivare sind besonders betroffen. Dazu kommt oft nasses Wetter danach. Sempervivum und Jovibarba verzeihen Kälte fast alles – Nässe in Kombination mit Verletzungen aber nicht.
Die gute Nachricht: Sie kommen zurück
Das Herz der Rosette treibt in den meisten Fällen neue Blätter. Die Kindel wachsen oft unbeeindruckt weiter. Was im Sommer nach einer Katastrophe aussieht, kann im nächsten Frühjahr wieder ein dichtes, gesundes Polster sein.
Viele Sammler berichten, dass ihre Pflanzen nach schwerem Hagel erst einmal narbig-fleckig bleiben und dann langsam wieder schön werden. Manche Sorten erholen sich schneller als andere. Kleinrosettige und stark behaarte Formen kommen oft besser weg als die großen, offenen Rosetten.
Fazit
Einen hundertprozentigen Schutz gibt es im Freiland nicht. Oft ist man gar nicht vor Ort, wenn das Unwetter kommt – und dann hilft auch das beste Vlies nichts mehr.
Was trotzdem Sinn macht:
- Besonders wertvolle oder großrosettige Sorten im Sommer unter ein leichtes Vlies oder ins kühle Gewächshaus stellen, sobald Unwetter angekündigt sind.
- Auf sehr durchlässiges Substrat achten, damit verletzte Pflanzen danach nicht zusätzlich in der Nässe stehen.
- Mehr auf kleinere, kompakte Sempervivum-Sorten setzen. Die schließen Lücken schneller. Jovibarba sind zäh, aber langsam: Der Schaden bleibt länger stehen, der Nachwuchs darunter oft trotzdem gerettet.
Dieses Jahr war mein schlimmstes bisher. Viele Rosetten sehen immer noch mitgenommen aus. Trotzdem bleibe ich dabei. Denn wenn sie sich erholen – und das tun die meisten –, ist das ein noch schöneres Bild als vorher.
Bis zum nächsten Mal
eure Maya🌱
eure Maya🌱
